Aktuelles / Notizen

23.03.2026

Ursula Nold - Präsidentin Migros-Genossenschafts-Bund MGB


Referat bei der Seniorenuniversität Schaffhausen, 23. März 2026

ursula nold 3 
Ursula Nold, Migros Präsidentin  

Manchmal verändert eine einfache Idee eine ganze Gesellschaft. Vor 100 Jahren rollten die ersten Verkaufswagen von Gottlieb Duttweiler durch Zürich. Sein Ziel war es, hochwertige Produkte zu fairen Preisen an die Leute zu bringen. Heute ist die Migros die grösste Arbeitgeberin der Schweiz (92‘000 Personen). Ob im Supermarkt, im Gesundheitszentrum, in der Industrie oder bei der Migros Bank - die Migros ist Teil des Schweizer Alltags und des gesellschaftlichen Zusammenhalts. 

Duttweilers Idee eines sozialen Unternehmens bleibt, auch wenn der Verkaufswagen modernen Märkten gewichen ist und der Kaffee per App bezahlt werden kann. Jeder / Jede unter uns kann irgend ein Migros Geschichte erzählen. Meine Erinnerung an den Migrosverkaufswagen ist unterhalb der Kirche Dörflingen auf dem Kiesplatz, im Dorf, wo ich aufgewachsen bin. Der kleine Christian geht hinten rein mit seinem Sackgeld und kommt vorne wieder stolz und zufrieden raus mit den kultigen mintgrünen Sportzältli der Migros! Leider gibt es sie nicht mehr im Migros Sortiment. 

Die Geschichte der Migros ist eine Geschichte von Mut, Wandel und Fortschritt. So ist auch Ursula Nold! Die Präsidentin des Migros-Genossenschafts-Bundes war Gast in der Seniorenuniversität Schaffhausen. Sind Sie ein typisches Migros Kind oder ein Coop Kind? Das Einkaufsverhalten in der Familie prägt fürs Leben.  

Ein paar kurze Skizzen zu Ursula Nold: Sie ist 56 Jahre alt, verheiratet und Mutter von vier erwachsenen Kindern. Sie ist ausgebildete Lehrerin und Schulleiterin und war über 15 Jahre als Dozentin an der Pädagogischen Hochschule tätig, wo sie Schulleitungspersonen ausgebildet hat. Zusätzlich hat sie einen Executive MBA an der Hochschule St. Gallen absolviert und eine Verwaltungsratsausbildung an der Internationalen Business School Insead in Fontainebleau. 

Privat verbringt sie gerne Zeit mit ihrer Familie, insbesondere beim gemeinsamen Sport. Sie ist kulturell sehr engagiert, unter anderem als Mitglied des Stiftungsrates von Bühnen Bern. Theater- und Konzertbesuche sind für sie ein wunderbarer Ausgleich zum Beruf. Sie mag klassische Musik, was mich als Präsidenten des Musik-Collegiums Schaffhausen MCS natürlich sehr freut. Sie spricht fliessend Deutsch, Französisch und Englisch und ist seit 1993 gar diplomierte Tennislehrerin des Schweizerischen Tennisverbandes. 

ursula nold 1

Sie sagt, die Migros bleibe die Migros. «Aber der Tanker ist in Fahrt gekommen.» Das passt nicht allen. Die Kritik, die sie sich anhören muss, ist bisweilen heftig.

Vor allem der Verkauf der Fachmärkte hallt noch immer nach. Doch die Haltung der Chefin ist klar: «Wir können uns keine unrentablen Bereiche aus reiner Nostalgie leisten. Wir müssen optimal aufgestellt sein, damit wir weiterhin jährlich rund 140 Millionen Franken für das gesellschaftliche Engagement freispielen können.» Das grossartige Migros Kulturprozent lässt grüssen! 

Und dieses Engagement der Migros-Gruppe für die Schweiz lässt sich wahrlich sehen: Als Genossenschaft investierte die Migros rund 138 Mio. CHF in kulturelle und soziale Initiativen. Davon flossen 121.7 Mio. CHF in das Migros-Kulturprozent, das Projekte aus Kultur, Bildung, Sozialem, Freizeit und Wirtschaft fördert. Der Migros-Pionierfonds unterstützte zudem Innovationsprojekte mit 15.3 Mio. CHF. Und 1 Mio. CHF flossen zudem in den Migros-Unterstützungsfonds. 

Ursula Nold ist von Haus aus ein Migros-Kind, mit der Migros ist sie tief verbunden. Ihre Laufbahn begann vor 30 Jahren als Genossenschaftsrätin der Migros Aare.  

Nun ist diese Migros also 100 Jahre alt geworden. Und dies wurde breit gefeiert mit Festivitäten, Aktionen, Events und diversen Aktivitäten. Dankbarkeit wollte die Migros vor allem den Mitarbeitenden und den Genossenschafterinnen und Genossenschafter (und den Kundinnen und Kunden) gegenüber zeigen und dafür stand ein grosses oranges MERCI in diversen Kampagnen. Für die Mitarbeitenden gab es auf dem Areal des ESAF 2025 bei Näfels GL einen riesigen Dankesanlass. 

Das ursprüngliche duttweilerische Gedankengut prägt. Es bildet einen klaren Orientierungsrahmen und führt die Unternehmensleitung dennoch immer wieder zur zentralen Frage, wofür denn das Unternehmen steht. Im Zentrum steht eine lebenswerte Schweiz für alle, der Gewinn allein ist nicht wichtig. Und dennoch muss sich das Unternehmen aber schlussendlich am rauher gewordenen Marktumfeld behaupten können.  

Die Chefin gibt klar vor: „Wir sind im Alltag die erste Wahl und setzen Massstäbe bei Leistungen des täglichen Bedarfs. Die starke Migros-Gemeinschaft ist Antrieb unseres Erfolgs. Unseren wirtschaftlichen Erfolg nutzen wir zum Wohle der Gesellschaft.“

ursula nold 4 

Wichtig sind immer die Menschen - sie sollen im Zentrum des Handelns stehen. Migros darf sich über eine hohe Bindung und Treue der Mitarbeitenden mit durchschnittlicher Betriebszugehörigkeit von 10 Jahren freuen. Sie ist die grösste Ausbildnerin der Schweiz mit rund 3‘300 Lernenden in über 55 verschiedenen Berufen. 

Ursula Nold hebt aber auch den Mahnfinger und zeigt eindrücklich auf, dass die Veränderungen in unserer Gesellschaft gewaltig sind. Es gibt komplexe exogene Entwicklungen in den Bereichen Demografie, Politik & Wissenschaft, Umwelt, Technologie und Lebensweise. Darum steckt die Migros mitten im Umbau und in zum Teil einschneidenden Veränderungsprozessen. 

Die Migros Supermarkt AG will sich strategisch neu ausrichten mit den drei Zielen „Mehr fürs Geld“, „Bestes Sortiment“ und „Einfacher einkaufen“. Vier strategische Geschäftsfelder bilden das Rückgrat der Migros-Gruppenstrategie: Food Retail, Non-Food Retail, Gesundheit und Finanzdienstleistungen. 

Der Schweizer Haushalt gibt heute nur noch 8% des Haushaltsbudgets aus für Lebensmittel. Darum lautet die Devise: „Wir müssen nahe zu den Kundinnen und Kunden gehen“. Darum stehen 2.5 Milliarden CHF Investition in die Marktleistung zu Buche: 500 Mio für Preise und Aktionen, 1‘650 Mio für die Modernisierung bestehender Filialen und  350 Mio für die Eröffnung neuer Filialen. 

Die Migros im Gesundheitsbereich? Weil Gesundheit Lebensqualität ist - ein altes Anliegen von Gottlieb und Adele Duttweiler! Darum engagiert sich die Migros auch stark in diesem Bereich. Auch ist der Markt aus demografischer Sicht in diesem Bereich gross. 

Ursula Nold wagt auch noch einen spannenden und fast futuristisch anmutenden Blick in die Zukunft und damit auch in die Kristallkugel des künftigen Einkaufserlebnis der Zukunft, dies unter den Stichworten Convenience - Shopping, Shopping als Erlebnis, Personalisiertes Shopping und Omnichannel Oekosystem. 

Wichtige Werte sind für die oberste Migros Chefin Ursula Nold gegenseitiger Respekt, Verlässlichkeit und Vertrauen, und stets begleitet sie ein Zitat der US-Schriftstellerin und Bürgerrechtlerin Maya Angelou: «Die Menschen werden vergessen, was du gesagt und was du getan hast. Aber sie vergessen nie, welches Gefühl du ihnen gegeben hast.»

ursula nold 2