Aktuelles / Notizen

30.04.2026

Ulmer Skizzen


In Ulm und um Ulm und um Ulm herum...

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Der Spatz aus Ulm

Überall in der Stadt sieht man grosse Spatzen aus Beton. Dies hat mit der Geschichte rund um den Ulmer Spatz zu tun: 
Ab 1377 wurde in Ulm das Münster gebaut. Dazu wurden auch lange Holzbalken auf Wagen herbeigebracht. Die auf den Wagen quer gestapelten Balken passten aber nicht durch das Stadttor. Die Balken standen auf beiden Seiten über. Die Ulmer und sogar der Bürgermeister suchten nach einer Lösung. Die einzige Möglichkeit schien das Tor abzureissen. Doch da beobachte ein Handwerker einen kleinen Spatz. Im Schnabel trug er einen Getreidehalm, um sein Nest in einem schmalen Mauerspalt zu bauen. Um den Halim dort hineinzuschieben, drehte der Spatz ihn der Länge nach. Da ging den Ulmern ein Licht auf und sie taten es dem Spatz gleich. Zum Dank wurde dem Spatz später ein Denkmal auf dem Münsterdach errichtet, so wurde der Spatz zum inoffiziellen, dafür umso mehr geliebten Wahrzeichen der Stadt Ulm.  

Schöne Geschichte! Und die Lehre daraus, die sich aufs Leben übertragen lässt? Siehe, das Gute liegt so nahe. Oft führt eine ganz einfache und logische Lösung zum Ziel. Man muss nur die Augen offen haben, auf die Vorbilder aus der Natur achten und den Grips benutzen.

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Wanderung rund um Ulm der Donau entlang, über den Ulmer Höhenweg bis zur Wilhelmsburg

Heute am Sonntag wollen wir den bekannten Ausspruch „In Ulm und um Ulm und um Ulm herum“ alle Ehre machen! Nach einem sonnigen Frühstück mitten in der Altstadt unternehmen wir eine dreieinhalb Stunden Wanderung von der Altstadt zuerst der Donau entlang bis zur Messe Ulm, dann den Berg hoch nach Böflingen und alles über den so genannten Ulmer Höhenweg zurück zur Wilhelmsburg.  
Das ist eine sehr empfehlenswerte schöne Wanderung, die uns durch absolut grüne Natur führt. Zuerst erleben wir entlang der Donau, wie sich die Ulmer am Sonntagmorgen sportlich betätigen, radfahrend, wandernd, rudernd,  joggend, allerlei Ballsport und so weiter.
Hinter der Ulmer Messe bei der Donaubiegung geht es die Böfinger Steige hoch, dann bald links mitten durch die hunderten von Kleingartenanlagen steil hoch ins Villenviertel beim Fort Safranberg, alles der Höhe nach (Ulmer Höhenweg) zum Ahlbeck Fort und dann runter ins Örlinger Tal. Wir unterqueren das Bahntrassee und steigen rechts abbiegend hoch zum Neuen Friedhof Ulm und von dort aus via Universitätsklinik hoch zur Wilhelmsburg. Von hier hat man eine eindrückliche Sicht auf die Ulmer Altstadt. 

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Die von 1842 bis 1849 errichtete Wilhelmsburg und die ihr vorgelagerte Wilhelmsfeste bildeten die Zitadelle der Bundesfestung. Die nach dem württembergischen König Wilhelm I. benannte Defensivkaserne war gegen Ende des Zweiten Weltkriegs Standort des Röhrenwerks von Telefunken und wurde bis Anfang der 1960er Jahre als Notunterkunft und Flüchtlingslager genutzt. 
Für Ulm ging der Zweite Weltkrieg am 24. April 1945 mit der Besetzung durch amerikanische Truppen zu Ende. Ausgebombte Familien, ehemalige KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter (Displaced Persons), Kriegsheimkehrer, Heimatvertriebene und DDR-Flüchtlinge lebten von 1945 bis in die 1960er Jahre in den Werken und Kasernen der ehemaligen Bundesfestung. 

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Dieses Bild  zeigt Flüchtlinge aus der Tschechoslowakei bei der Ankunft am Ulmer Hauptbahnhof, 1946. 

Flüchtlinge und Heimatvertriebene in der ehemaligen Bundesfestung 
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kamen hunderttausende Flüchtlinge, ehemalige Zwangsarbeiter (Displaced Persons), Heimatvertriebene und entlassene Wehrmachtssoldaten vorübergehend nach Ulm. Allein zwischen 1945 und 1952 passierten 250.000 Menschen auf der Suche nach einer neuen Heimat das „Staatliche Durchgangslager für Flüchtlinge und Kriegsheimkehrer" in der Kienlesbergkaserne. Auch in der Wilhelmsburg, der Donaubastion oder dem Fort Albeck wurden Displaced Persons, Flüchtlinge und Heimatvertriebene untergebracht. Erst Anfang der 1960er Jahre wurden die letzten Flüchtlingslager in den Anlagen der ehemaligen Bundesfestung aufgelöst.

Bundesfestungsanlagen werden vor dem Verfall gerettet In der Nachkriegszeit verfielen die Festungsanlagen zusehends. Einige Teile davon wurden als Hindernis für die Stadtentwicklung betrachtet: Das Augsburger Tor in Neu-Ulm wurde 1959/60 abgerissen und die Gaisenbergkaserne musste 1963 dem Parkplatz der „Ingenieurschule Ulm" (der heutigen Hochschule Ulm) weichen. Vereine wie der „Förderkreis Bundesfestung Ulm" oder „Alt-Ulm" engagierten sich seit den 1960er Jahren für den Erhalt der Anlagen und erreichten, dass wichtige Teile unter Denkmalschutz gestellt wurden. Auch die Städte Ulm und Neu-Ulm erkannten schliesslich den historischen und städtebaulichen Wert der Anlagen und tragen inzwischen mit erheblichen Mitteln zu deren Erhalt bei. 

Die Jugend übernimmt die Kasematten
In den 1960er Jahren entwickelte sich in Ulm eine rege Jugendszene, die seither in vielen Werken der Bundesfestung ansässig ist. Die beiden Donautürme werden von der katholischen Jugend genutzt und in der Caponniere des Werks XX entstand 1963 der legendäre Jazzkeller „Sauschdall" (siehe Bild). Studenten der Fachhochschule stellten in den 1970er Jahren in der Unteren Gaisenbergbastion den „Club 15" und das Studentencafé auf die Beine. In der Doppelcaponniere der Kienlesbergbastion richtete sich 1974 der „Club Action" ein, der die Ulmer Jugend mit zahlreichen „Vorwerkfeten" begeisterte. 

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Das Konzentrationslager im Fort Oberer Kuhberg
Das NS-Regime richtete im November 1933 im Fort Oberer Kuhberg ein Konzentrationslager ein, in dem insgesamt rund 600 Oppositionelle inhaftiert waren. Zu den Insassen zählten der sozialdemokratische Politiker Kurt Schumacher (1895-1952) und der kommunistische Landtagsabgeordnete Alfred Haag (1904 - 1982). Das KZ Oberer Kuhberg wurde im Juli 1935 aufgelöst und die Häftlinge nach Dachau verlegt. Heute befindet sich im Fort Oberer Kuhberg eine Gedenkstätte, die an dieses dunkle Kapitel der Stadtgeschichte erinnert.

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Rüstungsproduktion und Zwangsarbeiter in den Festungswerken
Nach den ersten Luftangriffen der Alliierten zogen einige Ulmer Firmen in die Werke der ehemaligen Bundesfestung. Zu einer streng geheimen Betriebsverlagerung kam es 1944, als die Berliner Firma Telefunken unter der Tarnbezeichnung „Geheime Reichssache Kastanie" ein komplettes Röhrenwerk vom polnischen Lodz in die Wilhelmsburg verlagerte. Die Rüstungsproduktion wurde hier bis ins Frühjahr 1945 weitergeführt. Dabei kamen auch 1’400 polnische Zwangsarbeiter nach Ulm. Telefunken war jedoch nicht die einzige Firma in Ulm, die Zwangsarbeiter einsetzte. Man geht heute davon aus, dass während des Zweiten Weltkriegs in hiesigen Unternehmen bis zu 15’000 Zwangsarbeiter arbeiten mussten. 

Luftschutz in den Werken der ehemaligen Bundesfestung
Zahlreiche Gewölbe und Kasematten der ehemaligen Bundesfestung mussten während des Zweiten Weltkriegs dem Luftschutz dienen. So wurden in den Reduits der Oberen Donaubastion und der Kienlesbergbastion Luftschutzräume eingerichtet. Auch in der Wilhelmsburg, den beiden Gaisenbergbastionen und den zahlreichen Außenforts suchte die Ulmer Bevölkerung Schutz vor Luftangriffen.
Beim Eingang findet sich eine Gedenktafel der Stadt Ulm mit folgender Inschrift: „August 1944 bis April 1945: Über 1500 Frauen und Männer aus Polen, davon viele noch Kinder, wurden unter dem nationalsozialistischen Sonderrecht für Zwangsarbeiter aus Lodz in die Wilhelmsburg verschleppt. Sie wurden in Lodz und Ulm zur Kriegsproduktion elektronischer Röhren für die Firma Telefunken gezwungen. 1. September 1999, Stadt Ulm“ 

Entwicklung schützenswerter Natur
An vielen Anlagen der ehemaligen Bundesfestung hat sich schützenswerte Natur entwickelt. Dies wurde häufig erst dadurch möglich, dass diese Bereiche lange Zeit sich selbst überlassen waren und sich über Jahrzehnte ungestört entwickeln konnten. So entstanden mitten in der Stadt Biotoptypen wie naturnahe Gehölzbereiche, die inzwischen Inseln der Natur innerhalb der umgebenden Bebauung darstellen. Weiterhin konnten sich auch durch das Wirken und die Pflege des Menschen wertvolle Bereiche und Lebensräume wie beispielsweise der ausgedehnte Baumbestand in den Glacisanlagen oder die Magerrasenbereiche an der Wilhelmsburg und innerhalb des Forts Unterer Eselsberg entwickeln. 

Schutzstatus
Viele Bereiche der Festungsanlagen haben durch ihren hohen naturschutzfachlichen Wert inzwischen einen Status als gesetzlich geschütztes Biotop, geschützter Grünbestand oder Landschaftsschutzgebiet. Beispiele dafür sind das Wäldchen südlich der Wilhelmsburg oder die Gehölzbiotope im Fort Albeck. 

Wertvolle Fauna und Flora
In den Festungsanlagen haben vielfach besonders bemerkenswerte und unter Naturschutz stehende Tierarten einen Lebensraum gefunden. Als Beispiele hierfür sind verschiedene Fledermausarten, die in den unterirdischen Bauwerken die Möglichkeit haben, zu überwintern, sowie an den Anlagen brütende Turmfalken und Dohlen zu benennen. Die Magerrasenbiotope beinhalten seltene Pflanzen wie verschiedene Enzian-Arten und Orchideen, beispielsweise die Sumpf-Stendelwurz. 

Ziele des Naturschutzes
Es ist die Aufgabe des Naturschutzes, diese Lebensräume langfristig zu erhalten und Lösungen zu finden, die sowohl dem Biotopschutz für die Tier-und Pflanzenwelt als auch der Erholungsnutzung des Menschen gerecht werden. 

Ausstellung „Tschernobyl, 40 Jahre später“ im Ulmer Stadthaus

Wir haben die sehr eindrückliche und interessante Ausstellung aus Anlass 40 Jahre Tschernobyl im Ulmer Stadthaus besucht. Dieses Gebäude ist ein topmodernes, lichtdurchflutetes Gebäude des amerikanischen Star-Architekten Richard Meier.

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Am 26. April 1986, frühmorgens um 1:23 Uhr, zerstörte die schlimmste technologische Katastrophe der Moderne das Leben von Millionen Menschen. In dieser Nacht explodierte der Reaktor Nr. 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl. Durch die Explosion gelangten Tonnen radioaktiven Staubs in die Luft, der beide Hemisphären unseres Planeten kontaminierte und sich überall dort absetzte, wo es regnete. Fast ganz Europa war verseucht: 65 Millionen Menschen waren kontaminiert. Erst in etwa zweihunderttausend Jahren soll die Radioaktivität in der Erde der am stärksten kontaminierten Gebiete - eine Fläche von über 260.000 Quadratkilometern (fast so gross wie Italien) - wieder einen natürlichen Wert erreicht haben.

Nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl wurde das Gebiet mit einem Radius von 30 Kilometern um das Kernkraftwerk herum zur Sperrzone erklärt. Alle Bewohnerinnen und Bewohner wurden evakuiert. Und doch ist die Sperrzone nie wirklich zu einer solchen geworden. Es gibt Leben dort, und mehr als 4.000 Menschen wohnen heute in der Sperrzone von Tschernobyl.

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Am 24. Februar 2022 marschiert Russland in die Ukraine ein und sofort besetzt es die Sperrzone von Tschernobyl. Für die Ukraine und die Gemeinde Tschernobyl verändert sich das Leben völlig.
Heute, mit dem Krieg, ist die Lage der Bevölkerung vor Ort noch schwieriger geworden. Derzeit leben weiterhin neun Millionen Menschen in Gebieten mit sehr hoher Radioaktivität und konsumieren kontaminierte Lebensmittel und Wasser. 80% der Bevölkerung leiden unter Erkrankungen, die von der Strahlung verursacht sind. Nach 40 Jahren steht Tschernobyl erst am Anfang seiner Geschichte. 

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Bis heute durchstreifen immer wieder Künstlerinnen und Künstler die Sperrzone, ein Gebiet mit einem Radius von 30 Kilometern um den Reaktorblock. Manche legen ihr besonderes Augenmerk auf die Natur, die sich den Ort still zurückerobert.
Zeuge einer Zeit vor der Katastrophe ist ein Herbarium, das Volker Kreider 2015 in einem verlassenen Schulgebäude in Prypjat barg. Vom Ausmass des Super-GAUs ist ihm nichts anzusehen. Nach 40 Jahren ist es nicht mehr radioaktiv.

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Nicht hinwegtäuschen kann das jedoch über die brisante Frage nach den zukünftigen Endlagern für hochradioaktive Abfälle. Ob etwa die Region um Ulm als Standort eines Endlagers ausgewählt werden könnte, das für eine Million Jahre Sicherheit gewährleisten soll, wird derzeit untersucht. Eine Entscheidung wird 2050 erwartet.

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Volkshochschule Ulm

Als Mitglied der Geschäftsleitung Seniorenuniversität Schaffhausen hat mich die Volkshochschule Ulm interessiert. Sie ist im Einsteinhaus beheimatet (Albert Einstein ist in Ulm geboren und hat hier die ersten Lebensjahre verbracht). 

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Besonders ist, dass die Volkshochschule Ulm auch eng verbunden ist mit Sophie und Hans Scholl, bekannt von der Widerstandsbewegung „Weisse Rose“. 

Am 22. Februar 1943 wurden Hans und Sophie Scholl aus Ulm in München hingerichtet. Sie hatten mit der Gruppe Weisse Rose Flugblätter gegen die NS-Diktatur geschrieben und verteilt. In den Flugblättern waren auch Ideen für Bildung und Kultur zum Aufbau eines neuen demokratischen und freien Deutschlands formuliert. Mit diesem Vermächtnis gründeten ihre Schwester Inge Scholl und deren Mann Otl Aicher gemeinsam mit einem Kuratorium am 24. April 1946 die Ulmer Volkshochschule, die vh Ulm. „Einmischung erwünscht“ war ein zentrales Element des Gründungskonzepts.

Bildung sollte frei machen, zur persönlichen Entwicklung, zur aktiven Gestaltung des Lebens und zum politischen Engagement. Unter dem Slogan „Keine Angst vor Bildung“ wurde die vh zu einem Ort für Aufbruch und Diskussion.

Bald reichte die vh den Gründern nicht mehr. Sie wollten eine »Tagesvolkshochschule«, eine umfassende universitäts-ähnliche Bildungseinrichtung und gründeten darum zusammen mit dem damaligen Bauhausschüler Max Bill 1953 die Hochschule für Gestaltung auf dem Ulmer Kuhberg: Eine Hochschule an der Gestaltung, Kommunikation und gesellschaftliche Emanzipation für eine aufgeklärte freiheitliche Gesellschaft gelehrt werden sollten.  

Über 300 Plakate schuf der 1933 in Ulm geborene Otl Aicher für die vh Ulm, die seit den fünfziger Jahren auf den von ihm initiierten Stelen im Stadtgebiet zu sehen waren und noch heute für das Programm der Ulmer Volkshochschule werben. Ihm ging es nie rein um die schöne Form an sich, sondern immer um Authentizität: Gestaltung als Ausdruck von Haltung.  

Die Flugblätter der Weissen Rose
Ab dem Sommersemester 1939 studierte Hans Scholl Medizin in München. Über Otl Aicher lernte er dort den katholischen Reformtheologen Carl Muth kennen, der sein Denken massgeblich beeinflusste. In einer Studentenkompanie, die das Medizinstudium immer wieder durch Fronteinsätze unterbrechen musste, fand er gleichgesinnte Freunde, darunter Alexander Schmorell, Christoph Probst und Willi Graf. Es entstand ein Freundeskreis, zu dem ab Mai 1942 auch Sophie Scholl gehörte. Alle besuchten die Vorlesungen von Professor Kurt Huber, vor allem weil man von seinen verdeckten kritischen Anspielungen auf die Nationalsozialisten wusste.

Hans Scholl und Alexander Schmorell verfassten und verschickten im Juni und Juli 1942 vier »Flugblätter der Weissen Rose« und wählten damit den Namen, der heute weltweit zu einem Symbol für Widerstand geworden ist. Im zweiten Flugblatt machten sie als Erste den Massenmord an den Juden in Polen öffentlich: Jeder Deutsche werde »mitschuldig, wenn er weiter diese Regierung, diese »Verbrecherclique« dulde. Stark beeindruckt vom Fronteinsatz in Russland schrieben sie nach ihrer Rückkehr im Januar 1943 das fünfte Flugblatt: »Aufruf an alle Deutsche!«

Nach der Niederlage von Stalingrad intensivierten sie die Aktionen der Weissen Rose. Professor Kurt Huber entwarf das sechste Flugblatt. Scholl, Schmorell und Graf schrieben nachts an öffentliche Gebäude in München: »Nieder mit Hitler«, »Freiheit«. Am 18. Februar legten Hans und Sophie Scholl das sechste Flugblatt vor Hörsaaltüren der Universität. Sie wurden beobachtet und verhaftet. Am 22. Februar verurteilte der Volksgerichtshof unter Roland Freisler die Geschwister Scholl und Christoph Probst zum Tode. Noch am gleichen Tag wurden sie durch das Fallbeil hingerichtet. Alexander Schmorell und Kurt Huber wurden zwei Monate später hingerichtet, Willi Graf im Oktober 1943. Im Hinrichtungsprotokoll von Hans Scholl ist das vermerkt: Er rief: „Es lebe die Freiheit!“

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Hans Scholl (Mitte) und seine Geschwister Inge (hinten links), Elisabeth (hinten rechts), Sophie (vorne links), Werner (vorne), »an der Ostfront vermisst, 1944«.

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Sophie Scholl  

»Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte.« (Sophie Scholl)

Im März 1940 machte Sophie Scholl das Abitur an der Ulmer Mädchen-Oberrealschule. Sie war eine begeisterte, rigorose und eigenwillige Jungmädelführerin im Bund Deutscher Mädel gewesen. Nun war sie zu einer in sich gekehrten jungen Frau herangereift, die hohe Ansprüche an sich selbst stellte. Ehe sie ein Studium beginnen konnte, musste sie zum Reichsarbeitsdienst, anschliessend zum Kriegshilfsdienst. »Dienst fürs Vaterland«, Drill und Schikanen der Vorgesetzten waren ihr verhasst.

Sophie Scholl entwickelte einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. In einem Brief zitierte sie den Satz Maritains: »Es ist nötig, einen harten Geist und ein empfindsames Herz zu haben.« Ihrem Freund Fritz Hartnagel, Offizier an der russischen Front, sagte sie im Winter 1941/42: »Ob jetzt deutsche Soldaten erfrieren oder russische, das bleibt sich gleich und ist gleichermassen schlimm. Aber wir müssen den Krieg verlieren. Wenn wir jetzt Wollsachen spenden, tragen wir dazu bei, den Krieg zu verlängern.« 

Hans muss Sophie schon früh ins Vertrauen gezogen haben, berichtet ihre Schwester Elisabeth. Anfang Mai 1942 war Fritz Hartnagel auf Fronturlaub. Sophie bat den Freund, ihr bei der Beschaffung eines Vervielfältigungsapparates zu helfen. Als Fritz sie warnte: »Das kann Kopf und Kragen kosten«, antwortete sie: »Ja, darüber bin ich mir im Klaren«.

Kurz nach ihrem 21. Geburtstag konnte Sophie im Mai 1942 endlich ihr Studium in München beginnen. Sie gehörte zur Weissen Rose und verlangte, an allen Aktionen beteiligt zu werden, auch an gefährlichen. In den Sommersemesterferien, während die Medizinstudenten an die russische Front geschickt wurden, musste Sophie in einem Ulmer Rüstungsbetrieb arbeiten. Zurück an der Universität trafen sich die Freunde wieder regelmässig. Im Januar 1943 war das fünfte Flugblatt fertig. Zum ersten Mal wurde eine grosse Auflage von vielen Tausend gedruckt. Sophie besorgte die nötigen Briefmarken und Umschläge. Sie half bei der Verteilung in München und warf Flugblätter in Augsburg ein. Mutig und geistesgegenwärtig musste sie sein, als sie im Zug Flugblätter zu Hans Hirzel nach Ulm brachte.  

Am 18. Februar gingen Hans und Sophie Scholl mit einem Koffer voller Flugblätter in die Universität und legten sie vor Vorlesungsende aus. Einen Rest liess Sophie vom zweiten Stock in den Lichthof flattern. Die Geschwister wurden beobachtet und noch in der Universität verhaftet. Drei Tage lang wurde Sophie verhört. Auf die letzte Frage des Gestapo-Vernehmers antwortete sie: »Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte. Ich bereue deshalb meine Handlungsweise nicht.« Am 22. Februar verurteilte der Volksgerichtshof Sophie Scholl, ihren Bruder und Christoph Probst zum Tode. Ihr mutiges, Freisler widersprechendes Auftreten vor dem Gericht ist bezeugt. Die Geschwister Scholl und Christoph Probst wurden noch am selben Tag hingerichtet.  

Chronologie: 

1942
Die ersten Flugblätter der Weissen Rose werden verteilt 

1943 / 22. Februar
Hinrichtung von Hans und Sophie Scholl 

1945 / 24. April
Einmarsch der US-amerikanischen Armee in Ulm 

16. August
Romano Guardini hält auf Einladung Otl Aichers einen Vortrag über »Wahrheit und Lüge« in Ulm 

1946 / 24. April
Feierliche Eröffnung der Ulmer Volkshochschule, Inge Scholl wird erste Leiterin 

Ulmer Münster

Am Samstagmorgen gibt es auf dem Ulmer Münsterplatz einen sehr gemütlichen und sehenswerten Markt mit regionalen Produkten - eine Augenweide und eine friedliche Morgenstimmung mit vielen einheimischen Ulmerinnen und Ulmer. Das Ulmer Münster ist die eindrückliche evangelische Kirche im Zentrum von Ulm und gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke der Gotik in Deutschland. Es ist vor allem für seinen 162 Metern hohen Kirchturm bekannt und prägt die Silhouette der Stadt. Der Grundstein des Ulmer Münsters wurde 1377 gelegt, als Ulm noch eine freie Reichsstadt war. Ursprünglich als katholische Pfarrkirche begonnen, wurde sie während der Reformation im Jahr 1530 evangelisch. Der Bau zog sich über Jahrhunderte hin und wurde erst 1890 vollendet, womit das Münster zu den letzten grossen gotischen Kathedralbauten Europas zählt. 

Die Kirche beeindruckt durch ihre klar strukturierte gotische Bauweise, filigrane Masswerkfenster und den imposanten Hauptturm, der über 768 Stufen bestiegen werden kann.

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Das Ulmer Münster ist ein Symbol bürgerlicher Freiheit und des Glaubens seiner Stadtbevölkerung. Es dient heute als aktives Gotteshaus, Konzertort und touristisches Wahrzeichen. Vom Turm aus bietet sich ein weiter Blick über Ulm, das Donautal und bei klarem Wetter bis zu den Alpen. 

Das Mittagessen gibt es im Herzen des Ulmer Fischerviertel im historische Zunfthaus „Forelle“ der Fischer (seit 1626). Die „Forelle" zählte damals wie heute zu den besten Restaurants in der Region und ist seit jeher bekannt für eine innovative und traditionelle Küche. Hier wird noch mit viel Liebe alles frisch zubereitet und gekocht. Neben schwäbischer Küche gibt es internationale und neu interpretierte Gerichte. Top Qualität, die Liebe zum Essen und der Fokus auf Tradition zeichnen die Forelle getreu nach dem Motto: „ Das Leben ist zu kurz für schlechtes Essen". 

Das Schwäbische Grundgesetz
Auf einer Menükarte habe ich das „Schwäbische Grundgesetz“ entdeckt:
Schaffa, schaffa, Häusle baua
Wemmer gebat, geba mir gern und reichlich - aber mir gebat nix!
Kehrwoch isch emmer.
S'Leba isch koin Schlotzer
Mir könned älles, ausser Hochdeutsch.
Ned bruddlad isch gnug globt
A guade Supp 'hot no koim Domma gschadet
Mir kaufet nix, mir guggat bloss!
S'Haus verliert nix
Spätzle, Porsche, Benz - mir Schwoba hen's
 

Ein Frühstückstipp

Sehr zu empfehlen ist die fantastische und vielfältige Frühstückskarte im Restaurant Bella Vista im vierten Obergeschoss in einem Kaufhaus beim Münsterplatz auf der Seite Donau. Von hier aus hat man von der Terrasse einen herrlichen Blick über den Münsterplatz und das Münster. Geöffnet hat das Restaurant bereits ab 08:30 Uhr, wenn auch die Geschäfte noch geschlossen sind.

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Fischerviertel

Im Fischerviertel gibt es viele romantisch verwinkelte Gassen mit gut erhaltenen und schön restaurierten Fachwerkhäusern. Galerien, Spezialitätengeschäfte und kleine Boutiquen locken zum Anschauen und Einkaufen. Zahlreiche Restaurants aller Richtungen füllen den Energiebedarf nach dem Bummel wieder auf. Etliche Kneipen laden zum gemütlichen Sitzen und Feiern.

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Das Viertel wird durchzogen von den Kanälen der kleinen und grossen Blau. Die Blau entspringt im nahe gelegenen Blaubeuren dem Blautopf. In Ihrem klaren und frischen Wasser kann man sogar den Forellen zusehen. Auch zahlreiche Vogelarten werden vom Wasser angezogen. Da steht schon auch mal ein Graureiher mitten in der Stadt. Der Blau hat das Viertel sein Dasein zu verdanken. Sie lieferte die Wasserkraft für die hier befindlichen Mühlen und den Wasserzugang zur Donau.
Neben den Müllern, den Fischern und den Schiffsfahrern waren hier im Mittelalter auch Gerber und Färber angesiedelt. Diese brauchten viel Wasser für die Verarbeitung von Tierhäuten und das Färben von Stoffen.
In den Zeiten der Industrialisierung verloren diese Handwerke an Bedeutung. Das Viertel verarmte und spielte lange keine grosse Rolle mehr. Die Bomben des Krieges verschonten den Stadtteil weitgehend und nach dem Krieg wurde hier sorgfältig wieder aufgebaut.
Heute ist das Viertel eine beliebte Wohngegend und durch seine vielen Restaurants und Kneipen der Party Hotspot Ulms am Wochenende. Eigentlich nennt sich das Viertel ja Fischer- und Gerberviertel. Doch im Sprachgebrauch hat sich die abgekürzte Version des Fischerviertels eingebürgert.

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Das Schiefe Haus im Fischerviertel wurde 1443 um ein älteres, kleineres Gebäude herum erbaut. Die weite Vorkragung nach Süden drückte das Haus immer tiefer in die Blau (Bachname), bis es 1873 ein Betonfundament erhielt. Durch die halbrunde Öffnung über der Blau konnten Zillen in das Gebäude fahren. 1997 bekam das Schiefe Haus Ulm vom GUINNESS BUCH DER REKORDE den Eintrag  „SCHIEFSTES HOTEL DER WELT“.

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