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03.11.2016

10 Jahre interreligiöser Dialog


Rathauslaube

Anlass 10 Jahre interreligiöser Dialog der Glaubensgemeinschaften / Stadtrat und Regierungsrat mit Vorstellung der verschiedenen Glaubensgemeinschaften

Donnerstag, 3. November 2016, Rathauslaube

Das Thema Islam beschäftigt momentan viele Menschen, weil das Wort im Zusammenhang mit terroristischen Anschlägen immer wieder auftaucht. Das löst Ängste aus, die manchmal undifferenziert auf alle Muslime projiziert werden. Für die Angehörigen dieser Religionsgemeinschaft ist das eine schwierige Herausforderung, weil sie weltweit sowohl Opfer der Terroristen sind als auch die einzigen, die nicht nur mit Bomben gegen den IS kämpfen. Trotzdem gibt es einen Generalverdacht gegen diese Religionsgemeinschaft, der sie ausgrenzt, und auf diese Weise die Isolation und damit die Gefahr von Radikalisierungen fördert.

Grundprinzip Trennung Kirche – Staat: Der Staat ist einerseits religiös neutral, traditionell verbunden mit den grossen christlichen Kirchen, aber in Bezug auf die Gleichbehandlung herausgefordert durch die zunehmende Zahl neuer Religionsgemeinschaften. Er garantiert die Religionsfreiheit (Artikel 15 BV) und mischt sich nicht in die inneren Angelegenheiten der Religionen ein. Andrerseits definiert er die Rahmenbedingungen, die für alle gelten (z.B. Gleichstellung der Geschlechter Artikel 8 BV). Und eine immer grössere Aufgabe wird die Erhaltung des Religionsfriedens (Artikel 72 BV: „Bund und Kantone können im Rahmen ihrer Zuständigkeit Massnahmen treffen zur Wahrung des öffentlichen Friedens zwischen den Angehörigen der verschiedenen Religionsgemeinschaften".

Im Kanton Schaffhausen gibt es unter dem Dach von Integres seit 10 Jahren einen kleinen interreligiösen Dialog, der im vergangenen Jahr einen Tag der offenen Moscheen mit grosser Wirkung in der Öffentlichkeit organisiert hat. Der Staat hat diesen Dialog in der Vergangenheit schon unterstützt durch ein Patronat von Veranstaltungen und auch dadurch, dass er öffentliche Räume zur Verfügung gestellt hat. Weil das Thema aber so aktuell ist, wünscht sich der interreligiöse Dialog als Prävention ein noch stärkeres Engagement der Verantwortlichen und möchten diese Fragen zum 10jährigen Jubiläum 2016 diskutieren.

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Interreligiöser Dialog Schaffhausen                                                       Anfang Oktober 2016

Der interreligiöse Dialog in Schaffhausen feiert sein 10jähriges Jubiläum. Das ist noch keine lange Zeit, und ein Grund, innezuhalten und über die Bedeutung des Zusammenlebens der verschiedenen Religionsgemeinschaften in Schaffhausen nachzudenken. Viele Ereignisse im Zusammenhang mit dem islamistisch begründeten Terror in diesem Jahr haben das Thema ‚Islam' in den Fokus gerückt, und es wurden Fragen diskutiert, ob der Islam als Religion ein Problem mit Gewalt und mit Andersgläubigen hat. In der Schweiz wurde das an Einzelfragen wie den religiösen Kleidervorschriften oder der Verweigerung des Handschlags in einer Schule diskutiert.

Als interreligiöser Dialog in Schaffhausen können wir die grossen und weltweiten Konflikte nicht lösen, aber wir können in unserer Stadt ein Klima fördern, wo alle Beteiligten miteinander im Gespräch sind, Transparenz schaffen und gemeinsam nach Lösungen für Probleme suchen. Das ist der Sinn und die Aufgabe des interreligiösen Dialogs. Die Erfahrungen unserer Begegnungen sollen nun zum Jubiläum in die Öffentlichkeit getragen werden und in den überschaubaren Schaffhauser Verhältnissen (‚wo ein de ander kennt') zu einem guten Zusammenleben in kultureller und religiöser Vielfalt beitragen.

Eine Besonderheit des interreligiösen Dialogs in Schaffhausen - im Unterschied zu andern Kantonen und Gemeinden - ist es, dass er nicht von den grossen Kirchen oder den Religionsgemeinschaften initiiert wurde, sondern von der staatlichen Fachstelle für Integration ‚Integres', wo man durch den Wunsch nach einer muslimischen Bestattung auf die Bedeutung der Religion im Integrationsprozess aufmerksam geworden ist. Kurt Zubler nahm als Leiter der Fachstelle das Thema auf und lud 2006 zum interreligiösen Dialog ein, der seither regelmässig stattfindet.

Zum Jubiläum ist es uns ein Anliegen, neben den religiösen Gemeinschaften auch die staatlichen Organe in den Dialog einzubeziehen und in Bezug auf die neue religiöse Vielfalt mit ihnen über das Verhältnis von Religion und Politik nachzudenken. Weil der Staat religiös neutral ist und die Religion bei uns als Privatsache angesehen wird, musste sich die Politik noch nicht mit diesem Thema beschäftigen. Doch weil nach Artikel 72 BV die Kantone dafür zuständig sind und Massnahmen zur Wahrung des Religionsfriedens treffen können, scheint es uns an der Zeit, sich diesem Thema zu stellen.

Dafür hat der interreligiöse Dialog eine so genannte ‚Schaffhauser Erklärung 2016' erarbeitet, um auf dieser Grundlage dem Dialog mehr Verbindlichkeit zu geben. Der Text wurde den Glaubensgemeinschaften zur Diskussion und Stellungnahme unterbreitet und zugleich den Exekutivbehörden von Kanton und Stadt vorgelegt. Er wurde von ihnen gutgeheissen und kann nun in ihrem Entwurfs-Charakter als Grundsatzerklärung unterschrieben werden. Er soll aber in den kommenden Jahren in den einzelnen Religionsgemeinschaften weiterentwickelt werden und in seinen Konsequenzen für die Praxis diskutiert werden (zum Beispiel für den Unterricht oder für die Rolle des interreligiösen Dialogs, usw.)

Noch gibt es in Schaffhausen – wie es bereits in einigen anderen Kantonen der Fall ist – keine gesetzliche Regelung zum Verhältnis des Staates zu den neuen Religionsgemeinschaften. Die Feier des Jubiläums am 3. November 2016 soll ein Zeichen der Anerkennung sein, indem die politisch Verantwortlichen dazu bereit sind, den Präsentationen der Religionsgemeinschaften zuzuhören und ihre Anliegen wahrzunehmen. Die gemeinsame Unterschrift unter die ‚Schaffhauser Erklärung' ist darüber hinaus Ausdruck der Bereitschaft zum verbindlichen Dialog. Ein Zeichen ist es insbesondere auch für die jüngere Generation, die zum Teil für diese Präsentationen gewonnen werden konnte. Damit drücken sie ihren Wunsch aus, Integration und die Beibehaltung religiöser Traditionen miteinander zu verbinden.

Viele aktuelle Fragen im Zusammenhang mit den Religionen können nicht mit gesetzlichen Massnahmen oder gar mit dem Strafgesetzbuch gelöst werden, sondern das Ziel muss es sein, Religionsgemeinschaften als Partner zu gewinnen und mit ihrer Hilfe Lösungswege für aktuelle Probleme zu finden. Wenn es zum Beispiel Fragen im Zusammenhang mit dem Islam gibt, dann können auf der Basis der gegenseitigen Abmachungen die Verantwortlichen der einzelnen Moscheen in die Beantwortung einbezogen werden.

Dazu kann die Presse einen wertvollen Beitrag leisten, der manchmal ausländerfeindlichen Stimmung entgegenzutreten, wenn sie über unsere Bemühungen für ein konstruktives Miteinander berichtet.

Für das OK 'Jubiläum 10 Jahre interreligiöser Dialog'          Bushra Buff-Kazmi, Eduard Ludigs und Markus Sieber

Schaffhauser Erklärung zum interreligiösen Dialog

1. Wir sind dankbar, hier in Schaffhausen zu leben und schätzen die Religionsfreiheit, die allen das Recht zugesteht, ihre Religion auszuüben.

2. Wir anerkennen die Verfassung, die freiheitlich demokratische Rechtsordnung, wir achten die Traditionen und beteiligen uns am Aufbau der Gesellschaft.

3. Wir respektieren die Vielfalt der Kulturen, Religionen und Meinungen. Wir sehen darin eine Bereicherung und sind offen für Kontakte mit anderen.

4. Wir sind bereit, am Dialog teilzunehmen und leisten so unsern Beitrag zu einem Zusammenleben in gegenseitigem Respekt.

5. Wir setzen uns ein gegen jede Gewalt im Namen der Religion und fördern im Rahmen unserer Möglichkeiten alles, was dem Frieden dient.

Diese Erklärung wird am 3. November unterschrieben vom Regierungsrat des Kantons Schaffhausen, vom Stadtrat Schaffhausen, dazu von Vertretern und Vertreterinnen der reformierten und katholischen Landeskirche, der türkischen Aksa-Moschee, der albanisch-mazedonischen Mekka Moschee, der arabischen Moschee, der Baha'i Religion, der tamilischen Hindu-Gemeinschaft, der tibetischen Buddhisten und der eritreeischen Gabriel Gemeinde Schaffhausen, sowie einer Vertreterin des Judentums.